Das historische Trakehnen

Mythos Trakehner

Schönheit, Eleganz, wache Intelligenz und Härte

Trakehner verkörpern all jene Attribute, nach denen die Pferdezucht seit Jahrhunderten strebt. Diese Eigenschaften sind auf eine jahrhundertelanger Selektion und Zuchtgeschichte zurückzuführen. Jedoch ziehen Trakehner nicht nur aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften Aufmerksamkeit auf sich, sondern auch durch ihre glanzvolle, dramatische und bewegende Vergangenheit. Diese findet ihren Ausgangspunkt bereits im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts und erreichte gegen Ende des zweiten Weltkrieges ihren traurigen Höhepunkt.

Ein kurzer historischer Überblick

Die Anfänge im 18. Jahrhundert

Bereits im 13. Jahrhundert, als das Gebiet um Trakehnen zum Deutschordensstaat zählte, züchteten die Ordensritter schwere, widerstandsfähige Militärpferde und errichteten damals einige Zuchtstätten, die jedoch nach dem Deutschordensstaat keine weitere Bedeutung mehr hatten.

Im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts begann der Preußenkönig Friedrich Wilhelm I, das Sumpf- und Waldgebiet um Trakehnen unter großem Aufwand urbar zu machen. Ziel dessen war die Errichtung einer zusammenhängenden Infrastruktur, die eine Pferdezucht für das preußische Heer ermöglichen sollte. Das gesamte Vorhaben erforderte einiges an Finanzen und an Arbeitskräften.

Diese wurden teils durch gezielte Neuansiedelungen in das bisher eher spärlich besiedelte Gebiet geholt – darunter ungefähr 600 Salzburger Protestanten, die der Fürsterzbischof Leopold Anton Freiherr von Firmian durch das berüchtigte Emigrationspatent aus ihrer eigentlichen Heimat ausweisen ließ. Friedrich Wilhelm stellte sie unter Schutz des preußischen Staates und gewährte ihnen im Kreis Gumbinnen eine neue Heimat.

1732 eröffnete das königliche Stutamt Trakehnen mit einem Bestand von ungefähr 1000 Pferden. Zum Gestüt zählten etliche Gutshöfe, die sogenannten Vorwerke. Die damaligen Pferde können als Ahnen der Trakehner gesehen werden und gehen auf die litauischen Schweike, einem genügsamen und robusten Kleinpferd aus der Region, zurück. 1739 übergab Friedrich Wilhelm das Gestüt an seinen Sohn, den späteren Friedrich den Großen.

In seinem Besitz konnte die Qualität des Pferdebestands verbessert werden, was vor allem auf das Engagement und die Weitsicht des damaligen Gestütsleiters zurückzuführen war. Ebenfalls war es diesem zu verdanken, dass sich die Landespferdezucht etablieren konnte, da er eigens Hengste als Landesbeschäler aufstellen ließ. Neben zahlreichen Privatgestüten entstanden in dieser Periode auch vier Landgestüte, deren Leitung von Trakehnen aus erfolgte. Daraus ergibt sich die Unterteilung in „Trakehner“ und „Ostpreußisches Warmblut Trakehner Abstammung“: Demnach wurden Pferde aus dem Hauptgestüt als Trakehner bezeichnet, Pferde des gleichen Typus, die jedoch aus privaten Gestüten oder Landesgestüten stammten, waren Pferde mit Trakehner Abstammung.

1787 wurde das ursprüngliche Brandzeichen, eine einfache siebenendige Elchschaufel, eingeführt.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde begonnen, orientalisches und englisches Vollblut in den Bestand einzukreuzen.

Dies hatte zur Folge, dass Pferde aus Trakehnen für ihre Schnelligkeit bekannt waren und gerne als Wagen- und Kutschenpferde genutzt wurden, obgleich die Hauptnutzung der Pferde durch den Militärdienst erfolgte.

Man begann ebenfalls, Pferde nach Farben und Blutanteil in eigene Herden einzuteilen. Dabei beherbergten das Hauptgestüt und einige der Vorwerke jeweils eine oder mehrere Herden bestimmter Farben.

Trakehnerzucht ab dem 19. Jahrhundert

Der Zusammenbruch Preußens 1806 durch Napoleon hatte eine Evakuierung des Hauptgestüts zur Folge, was sich 1812 wiederholte. Napoleon erlitt beim Russlandfeldzug einen Rückschlag, und die überlebenden Pferde kehrten zurück. Als langjährige Hauptaufgabe der ostpreußischen Züchter galt es, geeignete Pferde für die preußische Kavallerie zu züchten, Hauptabnehmer war bis nach Ende des Ersten Weltkrieges das Militär. Dies änderte sich allerdings mit dem Vertrag von Versailles nach Ende des Ersten Weltkrieges schlagartig, denn demnach musste eine Reduzierung der deutschen Kavallerie von 100 auf unter 20 Regimenter erfolgen. Deshalb handelten die Züchter schnell und fokussierten sich auf eine andere Eignung des Trakehner Pferdes, nämlich auf dessen sportliches Potential. Von da an etablierte sich der Trakehner im internationalen Sportgeschehen, wie bei den olympischen Spielen 1936 in Berlin bewiesen werden konnte: Pferde mit Trakehner Abstammung gewannen dort mehrere Gold- und Silbermedaillen. Da im Verlauf der Zuchtgeschichte Trakehner des Hauptgestüts, der Vorwerke sowie der zahlreichen privaten Züchter neben der Aktivitäten unter dem Sattel auch regelmäßige Feldarbeit leisten mussten, bestimmten unter anderem die Arbeitstauglichkeit das Zuchtgeschehen mit: Pferde, die sich als zu hitzig oder weniger kooperativ erwiesen, wurden sofort von der Zucht ausgeschlossen. Die härteste Leistungsprüfung galt es zu diesem Zeitpunkt aber noch zu bestehen – nämlich in Form der beschwerlichen und dramatischen Flucht aus Ostpreußen gegen Ende des Zweiten Weltkrieges, die nur etwa 1500 Pferde überleben sollten. Vor diesem epochalen Ereignis stellte das Hauptgestüt Trakehnen mit seinen 16 Vorwerken einen Musterbetrieb mit einem Pferdebestand von ungefähr 1000 Pferden und mehr als 6000 Hektar Land dar.

Die fatalen Wirren des zweiten Weltkrieges

Die Wintermonate 1944/45 erwiesen sich für die Bewohner Ostpreußens sowie den Fortbestand der Trakehner Zucht mehr als verheerend.

Nach der Einkesselung Ostpreußens durch die russische Armee blieb als einziger Fluchtweg in den Westen lediglich das Frische Haff, ein schmaler Brackwasserbereich in Küstennähe. Es wird geschätzt, dass mehr als 50.000 Personen auf diesem Exodus unter widrigsten Umständen ihr Leben verloren. Kälte, Hunger, ständigen Tieffliegerattacken der Alliierten oder Panzersperren erwiesen sich als konstante Begleiter der Vertriebenen.

Von ungefähr 30.000 registrierten Trakehnern und ostpreußischen Pferden Trakehner Abstammung kamen lediglich 1500 Tiere in Sicherheit an, davon 27 Stuten aus dem Hauptgestüt.

Dabei hätte das Ausmaß dieser regelrechten Apokalypse vermutlich bei weitem nicht in diesen Dimensionen stattgefunden, wenn nicht die Bevölkerung Ostpreußens vom damaligen Gauleiter Koch an einer rechtzeitigen Evakuierung und Flucht gehindert worden wäre: Dies stand selbst in einer bereits aussichtslosen Situation unter Strafe und galt als Dissertationsakt, da eine Flucht nicht mit dem proklamierten Endsieg zu vereinbaren war.

Und so kam es, dass die gesamte ostpreußische Bevölkerung – darunter auch die Familien der Vorwerke, Privatgestüte sowie alle Personen am Hauptgestüt – erst kurz vor dem Eintreffen der roten Armee mehr oder weniger unvorbereitet aufbrechen konnten.

In langen Wagentrecks, lediglich mit dem Nötigsten bepackt, führten die ersten Wegstrecken in vermeintlich sicherere Landkreise im Westen. Doch auch diese wurden von der schnell herannahenden roten Armee regelrecht überwältigt, und die Trecks gerieten entweder zwischen die Fronten oder mussten weiter in Richtung Westen ziehen.

Das Vorankommen der meisten Trecks war den Pferden zu verdanken, die – teils ausgehungert, im brusthohen Brackwasser und ohne Ruhepausen – die Wagen weiterzogen. Ehemalige Vertriebene, die mit ihren Pferden aus den Privatgestüten oder mit jenen des Hauptgestüts unterwegs waren, berichten von schierem Durchhaltevermögen, Überlebenswillen und Folgsamkeit der Vierbeiner.
Für viele Vertriebene repräsentierten die mitgeführten Pferde das letzte Stück Heimat.

Wiederaufbau

Auch nach der Flucht war das Überleben der Trakehner noch nicht gesichert, denn es gestaltete sich als schwierig, die Vertriebenen samt ihren Pferden aufzunehmen und ausreichend durchzufüttern.
Es wird davon ausgegangen, dass deswegen zahlreiche Pferde das Schicksal einer Schlachtung ereilte. Auch waren die überlebenden Pferde auf das gesamte Bundegebiet Deutschlands verteilt, was eine geordnete Wiederaufnahme der Zucht als schwierig gestaltete – der Trakehner stand kurz vor der Ausrottung. Dem kontinuierlichen Einsatz einiger Idealisten und Pferdemenschen aus dem früheren Ostpreußen ist es daher zu verdanken, dass die Zuchtagenden trotz aller Widrigkeiten sukzessive wieder aufgenommen werden konnten.

Heute, nach mittlerweile 70 Jahren, gilt das Fortbestehen einer der ältesten Reinzuchten als gesichert.

Mythos Trakehner

Quellen

  • Clough, Patricia (2014): In langer Reihe über das Haff: Die Flucht der Trakehner aus Ostpreußen. Pantheon Verlag, 2. Auflage.
  • Trakehner Verband e.V.
  • Verein der Freunde und Förderer des ehemaligen Hauptgestütes Trakehnen e.V.
  • Die große Flucht – Das Schicksal der Vertriebenen. Dokumentation von Christian Deick und Annette Tewes, ZDF/2004 nach Guido Knopp
  • Zurück zu den Wurzeln, in: Der Trakehner, Ausgabe 2/2007
  • Gehrmann, Lars (2009): Eine Reise nach Trakehnen. Werner Menzendorf im Paradies der Pferde. Cadmos Verlag.
  • Frühling in Trakehnen – Kulturfilm der UFA, 1936
Trakehner Gestüt